Montag, 4. Januar 2016

Interview mit Katharina Pieper - Trainerin für Mantrailing



Ich möchte das Jahr mit einem kleinen Interview mit Katharina Pieper beginnen.

 

Seit  fünf Jahren beschäftigt sie sich mit der speziellen Form der Nasenarbeit "Mantrailing"

Sie betreibt eine Hundeschule, die sich auf Mantrailing spezialisiert hat, ist Gründungsmitglied des Vereins  Rettungshunde Mantrailer Berlin e.V und führt hier zwei einsatzfähige Rettungshunde.

Ich habe mich mit ihr auf einen Kaffee getroffen und konnte ein paar Fragen loswerden:


Jasmin: Hallo Katharina, schön dass du dir Zeit genommen hast. Ich möchte gleich mit der ersten Frage beginnen: Was ist Mantrailing?

Katharina: Beim Mantrailing verfolgt der Hund die Spur eines ganz bestimmten Menschen, dessen Geruch er vorher über einen Gegenstand dieser Person aufgenommen hat. Dabei wird der Hund in der Regel an einer 5–10 Meter langen Leine geführt.
Seit 2003 werden in Deutschland Hunde als Mantrailer von den Rettungshunde-organisationen und -vereinen ausgebildet und zur Suche nach vermissten Personen eingesetzt. Am letzten bekannten Aufenthaltsort des Vermissten beginnt der Hund dann mit seiner Suche. Dies ist auch bei einer mehrere Tage alten Spur möglich.
Aber auch im Freizeitbereich hat sich Mantrailing als artgerechte Beschäftigungsform für Hunde seit einigen Jahren etabliert. Beim Mantrailing lernt der Hund, konzentriert und ruhig zu arbeiten, unsichere Hunde gewinnen an Selbstvertrauen. Außerdem stärkt die gemeinsame Aufgabe die Bindung zwischen Hund und Hundeführer.


Jasmin: Wie kamst du zum Mantrailing?

Katharina: Leider durch ein sehr trauriges Ereignis: ein Freund meines Vaters, der an Demenz litt, hatte sich bei einem Spaziergang verlaufen und konnte nur noch tot gefunden werden. Als dann meine Hündin Motte zu mir kam und sie Freude an Nasenarbeit zu entwickeln begann, habe ich mich mit ihr bei einer Rettungshundestaffel vorgestellt und dort mit der Ausbildung zum Mantrailer-Team begonnen. Mittlerweile traile ich mit meinen der Hunden in einer Rettungshundestaffel.


Jasmin: Was fasziniert dich am Trailen?

Katharina: Zum einen macht es unheimlich viel Spaß, den Hund beim Arbeiten zuzusehen, zu erleben, wie er bestimmte Aufgaben löst und mit der Zeit seine ganz individuellen Suchstrategien entwickelt. Außerdem ist das Zusammenspiel zwischen mir und meinen Hunden unglaublich spannend – die Hunde reagieren beim Mantrailing auf jede meiner Bewegungen und auf meine Körperhaltung. Mit jedem Trail lernt man den Hund besser zu verstehen, besser zu lesen und auf ihn zu reagieren, gleichzeitig wird der Hund immer deutlicher in seiner Körpersprache, sodass die Kommunikation zwischen uns immer flüssiger wird.


Jasmin: Welche Hunde sind dazu geeignet? Ab wann kann man beginnen?

Katharina: Wenn es um die reine Auslastung im Hobbybereich geht, ist eigentlich jeder Hund geeignet, der eine funktionierende Nase hat und laufen kann. Für den Rettungsbereich gibt es natürlich noch weitere Anforderungen, die allerdings nichts mit der Größe des Hundes zu tun haben.

Mit Mantrailing kann man schon mit einem Welpen ab ca. 12 Wochen beginnen, dann natürlich ganz behutsam und ohne Leistungsdruck. Und andererseits ist es auch nie zu spät, mit Mantrailing zu beginnen, solange es um die Beschäftigung des Hundes geht.


Jasmin: Auf was sollte man achten, wenn man sich bei einem Mantrailing-Kurs anmeldet?

Katharina: Mantrailing ist unglaublich komplex und wir wissen andererseits noch unglaublich wenig, was genau der Hund dabei macht. Deshalb sollte der Trainer eine fundierte Ausbildung im Bereich Mantrailing haben und sich ständig weiterbilden, möglichst bei unterschiedlichen Ausbildern. Mantrailing kann man nicht anhand von Büchern lernen. Auch ein Wochenendkurs oder gar ein Webinar reichen nicht aus, um Mantrailing gut unterrichten zu können. Es ist vorteilhaft, wenn der Trainer selbst mit einem eigenen Hund trailt. Bei einer Hundeschule, die sich nicht auf Mantrailing spezialisiert hat, sondern wo es eines unter vielen Angeboten ist, würde ich mir die Qualifikationen der Trainer sehr genau ansehen.
Eine häufige Fehlerquelle beim Mantrailing ist das Traillegen – mit schlecht gelegten Trails kann man sich seine ganze Ausbildung zunichte machen. Deshalb sollte jeder Trail individuell für jedes Team geplant und gelegt werden. Da der Hund auch beim Mantrailing sehr selektiv lernt und viel weniger generalisiert, als wir erwarten, sind kleine Schritte mit vielen Variationen wichtig. Außerdem sollte das Training natürlich in einer entspannten Atmosphäre und ohne Druck stattfinden.


Jasmin: Ist es Deiner Meinung nach notwendig, dass der Trainer auch im Rettungshundebereich trailt?

Katharina: Es ist nicht notwendig, aber es schadet sicher auch nicht. Wer in einer Rettungshundestaffel trailt, trifft sich in der Regel häufig mit anderen Hundeführern und Ausbildern zum Austausch und gemeinsamen Arbeiten. Da wir mit dem Mantrailing erst ganz am Anfang stehen, ist der Blick über den Tellerrand für die Weiterentwicklung dieser Disziplin unglaublich wichtig. Und viele Stolpersteine werden erst im Realeinsatz offensichtlich. Die Erkenntnisse, die man hier gewinnt, kann man dann wieder in das Training – auch für die Hobbytrailer – einfließen lassen.


Jasmin:      Vielen Dank für das Interview ! 
Katharina:   Ich danke dir auch !





Freitag, 30. Oktober 2015

Review Hundesymposium Berlin 2015


Vergangenes Wochenende fand das zweite Hundesymposium Berlin statt. Veranstalter waren wieder Thomas und Ina Baumann, die sich für den Themenschwerpunkt Aggressionsverhalten entschieden haben. Insgesamt fanden sich 10 Referenten aus Wissenschaft und Praxis am Müggelsee ein, um sich dem immer wieder brisanten und emotionalem Thema zu widmen.


Zu diesem Symposium hatte mich das Interesse Udo Gansloßer einmal "live zu erleben" gelockt, dessen Texte und Aufsätze ich immer wieder gerne lese, um neue Denkanstöße zu bekommen. Neben ihm, fanden weitere gute Vorträge statt, zum Beispiel zeigte Frau Angelika Lanzerath das Herdenschutzhund nicht gleich Herdenschutzhund ist und räumte mit gängigen Vorurteilen auf. 

Herr Kurt Kortschal stellte Ergebnisse des Wolfsforschungszentrums in Ernstbrunn/Österreich vor und gab wider der gängigen Meinung zu Bedenken das Wölfe eventuell eher die friedlicheren Vettern der Hunde seien.


Dennoch muss ich sagen, dass mich der Vortrag "Neurobiologische Grundlagen von Aggression" von Robert Mehl mehr als nur gefallen hat. Er hat es verstanden sich auf das Publikum einzulassen, die wichtigsten psychologische und neurologischen Prinzipien bei der Entstehung von Aggression erklärt, um dann ein integrativen Therapieansatz vorzustellen. Die Quintessenz, die sich für mich ergab, war dass man bei Problemverhalten nicht nur an einem Schräubchen drehen muss um das System wieder in gute Bahnen zu lenken, sondern dass der Trainingsansatz auf mehreren Pfeilern gleichzeitig stattfinden muss.


Das Symposium rundete Thomas Baumann mit einigen Falldarstellungen von "schwierigen Hunden" ab und zeigte dass Aggressionsverhalten nicht nur biologisch gesehen "normal", sondern auch in vielen Fällen konstruktiv ist.


Mir haben die insgesamt 2 1/2 Tage sehr gut gefallen und ich hoffe, dass es nächste Jahr ein drittes Hundesymposium in Berlin geben wird.


Dienstag, 11. August 2015

Warum ich keine Hundeflüsterin bin



Ab und zu werde ich scherzhaft gefragt: "Du bist also eine Hundeflüsterin?". Auch wenn dies meist mit einem Augenzwinkern gesagt wird, ist es mir dennoch wichtig mich von diesem Begriff abzugrenzen.

Weshalb?

Für mich impliziert der Begriff "Hundeflüstern" etwas mystisches, nicht greifbares.  Es gaukelt meines Erachtens sogar vor, man spräche mit dem Hund in einer besonderen Sprache (Die Sprache des Hundes?) und nach diesem "Gespräch" sind die Probleme, der Hunde  oder eher die des Menschen, nicht mehr da. Man merkt schon, dass hier etwas hinken muss.

Hundetraining ist für mich nichts mystisches, es ist erlernbar und wie Viviane Theby gerne sagt:
"Training ist ein Handwerk."  
Ein Hundetrainer sollte in einem Gespräch mit den Besitzern und eventuell bei Beobachtungen erkennen, weshalb der Hund sich wie verhält und wie man sein Verhalten verändern beziehungsweise beeinflussen kann. Viele Verhaltensmuster sind erlernt und können mit Hilfe der richtigen Bestätigung umgelernt werden. 

Natürlich ist die Beziehung zum Menschen und auch dessen Einstellung zum Hund wichtig, da Hunde keine reinen Reiz-Reaktion-Maschinen sind. Dennoch kommuniziere ich mit Hunden nicht auf einer Metaebene, die für Menschen nicht nachvollziehbar ist, sondern versuche mit Futter und/ oder Spiel erwünschtes Verhalten zu verstärken. Zweifellos spielt die Körpersprache (die übrigens auch durch Gedanken beeinflusst wird) eine Rolle in der Kommunikation mit dem Hund und man sollte diese nutzen. Wie bestimmte Bewegungen und Körperhaltungen auf den Hund wirken ist erklärbar und somit erlernbar. Das ganze benötigt nur ein wenig Übung.

Also vertrauen Sie auf sich und ihre Fähigkeiten und unter guter Anleitung können auch Sie ganz bald "Hundeflüstern"...



Mittwoch, 8. April 2015

Vorstellung

Hallo, ich heiße Jasmin Goldschmidt, erblickte 1985 die Welt, kam 2006 nach Berlin, studierte und arbeitete als Sozialarbeiterin.  Schon damals widmete ich meine  freie Zeit gerne unseren vierbeinigen Gefährten.

Ich absolvierte nebenberuflich die Ausbildung zur Hundererzieherin und Verhaltensberarterin (IHK/BHV) und wagte 2014, nachdem ich schon einige Jahre nebenberuflich als Hundetrainerin tätig war, den Schritt in die Selbständigkeit mit einer Hunschule sowie einem Gassiservice.

Worum soll es auf diesem Blog nun gehen?
Natürlich um Hunde. Diese Seite soll eine Ergänzung zu meiner Website www.Hundebotschaft.de sein. Ihr habt hier die Möglichkeit mich näher kennen zu lernen und mehr über Trainingsmethoden, Literatur, Seminare etc. zu erfahren.

Viel Spaß beim schmökern!